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Zugluft – Eine deutsche Krankheit?

„Kannst du bitte das Fenster schließen? Es zieht!“ – Ein in Deutschland häufig gesagter und nur allzu bekannter Satz. In den USA hingegen vollkommen unbekannt. Ist die Zugluft etwa ein Phänomen, welches nur innerhalb Deutschlands auftritt?

Keine Zugluft in den USA?

Eindeutig nein. Bei meinen Reisen in die USA zog es ständig. Nicht unbedingt durch eisige Windstöße durch das Fenster, eher durch Klimaanlagen in Restaurants, Einkaufsläden und Wohnhäusern, welche sich wohl insgeheim ein Rennen lieferten, welche Klimaanlage die kälteren Temperaturen schafft. Doch trotz all dieser kalten Luft überall und dem nicht zu verachtenden Temperaturunterschied, wenn man vom schwülen Außenbereich ins Innere tritt, scheint in Amerika noch nie jemand von kalter Zugluft krank geworden zu sein.

In Deutschland ist das ganz anders. Tagtäglich erkälten sich hunderte Menschen am hundsgemeinen „Zug“. Auch das Mitgefühl der Deutschen ist nicht zu verachten, wenn jemand im Büro verlauten lässt, dass er sich gestern aufgrund des offenen Fensters einen „Zug“ geholt hat. Amerikaner würden sich hier wohl eher ratlos ansehen.

Klimaanlagen gehören zum Standard

Doch wie kommt es, dass US-Amerikaner scheinbar immun gegen die Krankheit sind, die so viele Deutsche täglich befällt? Zunächst einmal ist das Klima in vielen Teilen der USA sehr schwül und es herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Ein offenes Fenster bringt also oft nur mehr Hitze in das Haus. Aber kein Problem, dafür wurden ja schließlich die Klimaanlagen erfunden, welche das Haus den ganzen Tag auf eine angenehme Temperatur herunterkühlen. Amerikaner wachsen also quasi in der Zugluft auf, denn es gibt heutzutage kaum noch ein Gebäude, welches nicht mit ausreichend Klimaanlagen versorgt ist.

Von Fehldiagnosen und Gewohnheitssachen

Ein weiterer Grund für die Immunität gegen den kalten Windzug ist vielleicht auch einfach das Nicht-Vorhandensein dieses Krankheitsauslösers im Sprachgebrauch. Wie sollen Amerikaner auch an etwas erkranken, für das es gar keinen Namen gibt? Doch es gibt tatsächlich auch in den USA Fälle von Personen, die an dem „Zug“ erkrankt sind, es wird nur häufig die Fehldiagnose einer Pneumonia, einer Lungenentzündung, gestellt. Es lässt sich also beruhigt feststellen, dass auch Amerikaner am „Zug“ erkranken können, auch wenn diese, durch die vielen Klimaanlagen tatsächlich nicht so anfällig dafür sind, wie wir Deutsche.