Kategorie-Archiv: Buchtipps

Von amerikanischen und deutschen Buchhandlungen

Einkaufen und Shoppen ist in den USA ein großer Spaß, da viele Geschäfte mit unschlagbaren Angeboten locken und selbst namenhafte Marken zu Schnäppchenpreisen erhältlich sind. Geschäfte wie TJ Maxx, Ross oder Burlington Coat Factory sorgen für ein günstiges und dennoch qualitativ hochwertiges Shoppingvergnügen. Doch dies Vergnügen ist nicht bei allen Geschäften so. Im Fall von Buchläden und Buchhandlungen sind meines Empfindens große Unterschiede zu Deutschland erkennbar.

Bigger is better! – Always?

Große Auswahl - K(l)eine Ordnung: Die Suche nach einem Buch in den USA kann Nerven und Zeit kosten

Große Auswahl – K(l)eine Ordnung: Die Suche nach einem Buch in den USA kann Nerven und Zeit kosten

Der offensichtlichste Unterschied zwischen den amerikanischen und deutschen Buchhandlungen liegt in der Größe der Geschäfte. Zwar gibt es auch in Deutschland bereits Großbuchhandlungen, doch in den USA ist natürlich alles „bigger and better“ – Better? Nicht unbedingt. Natürlich ist die Auswahl in den Geschäften enorm. Ob Kochbücher aller Art, Reiseführer rund um den Globus, die neuesten Krimigeschichten oder Fitnesstipps für die Sportler unter den Lesern, hier findet jeder was er sucht. Aber je größer die Auswahl – desto verwirrender die Suche. Zwar ist alles gut beschriftet, aber oft werden genau die Bücher, die man sucht, falsch einsortiert oder fallen in der großen Masse im Regal gar nicht auf. „Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht“ – ist hier wohl das Motto. Nachgefragt bei einem der vielen und wirklich hilfsbereiten, aber selbst ahnungslosen Mitarbeitern geht die Suche dann zu zweit weiter.

„Entspanntes“ Warten an amerikanischen Kassen

Nach einer Zeit fällt einem meistens das richtige Buch oder ein anderes, vergleichbares Buch in die Arme und man kann sich in die Schlange vor der Kasse begeben. Da man ja sowieso noch warten muss, bis man an der Reihe ist, kann man sich nebenbei noch mit „frisch“ aufgebrühtem Kaffee von Starbucks versorgen. Falls das Buch nicht auffindbar ist, kann ich dieses zwar bestellen, das Verfahren ist jedoch kompliziert, nimmt viel Zeit in Anspruch und die Lieferung selbst dauert wieder einige Tage. – Für mich sieht ein angenehmer Einkauf in einer Buchhandlung anders aus.

Familiäre Buchhandlungen – kleine Fläche – Großer Service

Mit Liebe eingerichtet: der Unterschied zu einem amerikanischen Buchladen wird bei dieser deutschen Buchhandlung schnell sichtbar.

In Deutschland gehe ich sehr gerne in kleine, eigenständige Buchläden, wie zum Beispiels Gessler 1862. Hier ist vielleicht die Auswahl der Bücher etwas geringer, aber wie ich finde, nicht unbedingt schlechter. In den Regalen finde ich immer wieder Bücher höchster Qualität und über interessante Themen, so das ich bisher jedes Mal fündig wurde. Wenn ich auf der Suche nach einem speziellen Buch bin, die Buchhandlung dieses aber momentan nicht zum Kauf anbietet, kann ich es einfach und unkompliziert bestellen und meist schon am nächsten Morgen abholen.

Auch die Mitarbeiter sind bestens geschult und wenn ich ein bestimmtes Buch suche oder generelle Fragen habe, helfen diese immer gern weiter und beraten mich umfassend. Außerdem kennen sie sich im Fachbereich der Bücher aus und können passende Vorschläge für jede Altergruppe geben. Und im Falle des Starbucks-Kaffees: Einige Buchhandlungen haben ebenfalls ein Café integriert, in dem leckere Kuchen und frischer Kaffee (in einer Tasse – nicht in einem Pappbecher) serviert werden.

Flohmärkte können in den USA als Alternative dienen

Natürlich muss man dazu sagen, dass es in den USA oft wesentlich anonymer ist und bei der Größe des Landes und der Anordnung der Läden größere Buchgeschäfte oft einfach praktischer und kostengünstiger sind. Für die Deutschen, die schöne, familiäre Buchhandlungen in überschaubarer Größe gewohnt sind, ist das natürlich eine Umstellung. Wer jedoch in den USA ist und von den ganzen „Books a Million“ oder „Barnes and Nobles“ genug hat, dem empfehle ich den Besuch von Flohmärkten und Garage-Sales. Bei diesen kann man mit Hilfe einiger Tipps (übrigens auch in Deutschland) oft einige gute Bücher erstehen.

 

Fotokennzeichnung:
Bild Nr 1 , 2  © pixabay / Gessler1862

Nothing for UnGood

Heute möchte ich euch ein unterhaltsames, leicht zu lesendes Buch vorstellen, welches die deutschen sowie amerikanischen Pauschalisierungen und Vorurteile gegenüber behandelt.
Nothing for UnGood: Deutsche Seltsamkeiten aus amerikanischer Perspektive von John Madison.

Der Autor

Der Autor, John Madison, hat im Laufe des Lebens die deutschen Eigenheiten am eigenen Leib erfahren dürfen. Geboren und aufgewachsen ist er in Oklahoma City, USA. Auf dem College lernte er die deutsche Sprache und entschied sich seinerseits für ein Auslandspraktikum in Hamburg, dem ein Study-Abroad-Aufenthalt an der Münchener Uni folgte. Nachdem er das deutsche Studentenleben erfolgreich getestet und abgeschlossen hatte, nahm er eine Stelle in Reutlingen und Salzgitter an. Über das Internet lernte Madison seine deutsche Frau Bettina kennen, die in Oldenburg aufwuchs. Zunächst führten die beiden eine Wochenendbeziehung, nachdem Madison seinen Job in Deutschland gekündigt hatte, um verfrüht in der Ruhestand zu gehen, eine Fernbeziehung, Nach sieben Monaten Frühruhestand hatte John Madison kein Geld mehr und ging nach Texas um dort zu arbeiten. Bettina folgte, die beiden heirateten 2009 und leben nun zusammen in Austin, Texas.

Eigenheiten für die Einen, Normalität für die Anderen

In dem Buch Nothing for UnGood stellt Madison eine Reihe von Eigenheiten auf, die ihm während seines Aufenthalts in Deutschland aufgefallen sind. Dieses macht er mit einer einzigartigen, humorvollen Beschreibung, die die deutschen Sitten auf den Arm nimmt.

Behandelt werden in dem Buch ganz unterschiedliche Aspekte des Lebens in Deutschland, wie die Sprache und Kultur, das Essen, wie Amerikaner sich in Deutschland verhalten und persönliche Notizen zum Leben von John Madison in Deutschland. Dabei geht Madison herrlich unbeschwert an die Lage an und stellt Fragen, über die man sich vorher noch gar keine Gedanken gemacht hat. Wieso zum Beispiel stehen die Ampeln in Deutschland auf der Straßenseite auf der man fährt, anstatt wie in Amerika auf der anderen? Und wieso gibt es hunderte von unterschiedlichen Zubereitungsarten von Kartoffeln, aber es werden fast ausschließlich Paprika-Chips verzehrt?

Nettes und witziges Buch über Vorurteile beiderseits.

Mit Humor und Witz geht Madison außerdem auf die Art ein, wie Deutsche ihre Kinder erziehen, ihre Karriere planen oder eine Party feiern. Natürlich steckt in dem fast 200-Seiten-langen Buch eine Reihe von Verallgemeinerungen, was mich persönlich jedoch nicht gestört hat. Auch muss man bedenken, dass Madison ausschließlich aus seiner Sicht schreibt, und daher natürlich ein Vorurteil nach dem nächsten in dem Buch abgeklappert und daher von Klischees  beherrscht wird. Aber in vielen Vorurteilen und Verallgemeinerungen steckt nunmal oft ein Fünkchen Wahrheit (damit meine ich nicht, dass jede Aussage absolut stimmt.. aber eine gewisse Richtung ist oft vorhanden), über welches wir schmunzeln können. Von mir eine absolute Kaufempfehlung, für jeden, der schon einmal in Amerika war und nie verstanden hat, warum die Deutschen in Amerika teilweise als „eigensinniges Völkchen“ verschmäht werden. Nicht zu empfehlen für Leute, die Pauschalisierungen und Vorurteile über beide Völker satt sind. Hier sollte auf anspruchsvollere Unterhaltung zurückgegriffen werden.

Viel Spaß beim Schmökern!